Zimmerpflanzen vermehren

Ein Steckling wurzelt am Knoten, ein Ableger bringt seine Wurzeln schon mit. Welche Methode passt, entscheidet die Pflanze, nicht die Jahreszeit.

Der Erfolg zeigt sich bei allen Methoden am selben Punkt. Ein Teilstück, das eigene Wurzeln und danach einen neuen Trieb bildet, ist angewachsen. Alles davor ist Warten, und alles, was in dieser Zeit weich und braun wird, ist verloren.

Wo ein Steckling Wurzeln bildet

Bei rankenden und aufrecht wachsenden Zimmerpflanzen entstehen die neuen Wurzeln am Knoten. Das ist die leicht verdickte Stelle am Trieb, an der ein Blatt, ein Seitentrieb oder eine Luftwurzel ansetzt.

Schneide etwa einen Zentimeter unterhalb eines Knotens mit einer sauberen, scharfen Klinge. Ein Stück ohne Knoten hält seine Blätter oft monatelang grün und bildet trotzdem nie Wurzeln. Das ist der häufigste Grund für ein Wasserglas, in dem nichts passiert.

Entferne die untersten Blätter, damit im Wasser oder im Substrat kein Blatt fault. Ein bis zwei Blätter oben reichen aus.

Bei Gummibaum, Wolfsmilchgewächsen und Weihnachtsstern tritt an der Schnittstelle Milchsaft aus. Tupfe ihn mit Küchenpapier ab, bis nichts mehr kommt, und wasche danach die Hände und die Klinge.

Ein Steckling mit einem Knoten unter dem Schnitt
Der Schnitt sitzt dicht unter dem Knoten, dort kommen die Wurzeln

Ableger und Kindel abtrennen

Grünlilie, Aloe vera und viele Sukkulenten machen die Arbeit selbst. Sie bilden fertige kleine Pflanzen an Ausläufern oder direkt an der Basis.

Warte, bis ein Kindel etwa ein Drittel der Größe der Mutterpflanze erreicht hat und eigene Wurzelansätze zeigt. Bei der Grünlilie sind das die weißen Verdickungen an der Unterseite des Pflänzchens.

Trenne es mit einer sauberen Klinge ab oder drehe es vorsichtig heraus und topfe es sofort in normale Zimmerpflanzenerde. Ein Kindel mit eigenen Wurzeln braucht den Umweg über das Wasserglas nicht.

Bei Aloe vera und anderen Sukkulenten lässt du die Trennstelle einen Tag an der Luft abtrocknen, bevor du topfst. In nasser Erde ohne diese Pause fault der Ansatz.

Es hat geklappt, wenn nach zwei bis vier Wochen ein neues Blatt aus der Mitte kommt. Der häufigste Fehler ist zu frühes Abtrennen, weil ein Kindel ohne eigene Wurzeln vom Wasser der Mutterpflanze lebt.

Kopfstecklinge im Wasser bewurzeln

Efeutute, Monstera, Philodendron und Zebrakraut bewurzeln zuverlässig im Glas, und du siehst dabei zu.

Nimm ein Triebstück mit ein bis zwei Blättern und mindestens einem Knoten. Stell es so ins Glas, dass der Knoten unter Wasser liegt und die Blätter darüber bleiben.

Wechsle das Wasser etwa alle drei Tage. Stehendes Wasser wird trüb, und trübes Wasser ist der Anfang der Fäulnis.

Stell das Glas hell auf, ohne direkte Mittagssonne. Warme Räume beschleunigen die Wurzelbildung deutlich.

Es hat geklappt, wenn nach ein bis drei Wochen weiße Wurzeln aus dem Knoten wachsen. Topfe, sobald sie einige Zentimeter lang sind. Wasserwurzeln, die viel länger geworden sind, tun sich in Erde schwerer und sterben beim Umzug teilweise ab.

Der häufigste Fehler ist ein weicher, brauner Stiel unter Wasser. Dieser Steckling erholt sich nicht wieder.

Stecklinge im Wasserglas mit weißen Wurzeln
Die weißen Wurzeln am Steckling sind durch das Glas zu sehen

Kopfstecklinge direkt in Substrat

Derselbe Steckling wächst auch direkt im Topf an, und seine Wurzeln müssen sich später nicht auf Erde umstellen.

Nimm ein lockeres Substrat, das Wasser hält und Luft lässt, etwa Anzuchterde mit Perlite oder reines Kokossubstrat. Steck den Knoten hinein und drücke ihn leicht an.

Das Substrat darf in dieser Zeit nicht durchtrocknen. Eine übergestülpte durchsichtige Tüte oder eine Haube hält die Luft um die Blätter gesättigt und senkt den Wasserverlust, solange der Steckling keine Wurzeln hat. Lüfte sie einmal am Tag kurz.

Es hat geklappt, wenn der Steckling beim vorsichtigen Ziehen Widerstand leistet und kurz darauf ein neues Blatt schiebt. Weil du die Wurzeln nicht sehen kannst, ist dieser Zugtest der Befund.

Der häufigste Fehler ist stehendes Wasser im Substrat bei gleichzeitig geschlossener Haube. Der Steckling verliert dann unten die Schnittstelle, bevor oben etwas passiert.

Blattstecklinge

Aus einem einzelnen Blatt entsteht bei einigen Arten eine ganze neue Pflanze, unter anderem bei Usambaraveilchen, Bogenhanf, Zwergpfeffer, Echeveria und Blattbegonien.

Bei Usambaraveilchen und Zwergpfeffer steckst du den Blattstiel schräg in Substrat. Bei Bogenhanf schneidest du ein Blatt quer in mehrere Stücke und steckst sie so ein, wie sie gewachsen sind. Ein verkehrt herum gestecktes Stück bewurzelt nicht.

Bei Echeveria und anderen Dickblättrigen drehst du ein ganzes Blatt sauber vom Stamm ab, sodass kein Rest daran hängen bleibt, und legst es einige Tage zum Abtrocknen hin, bevor es auf trockenes Substrat kommt.

Es hat geklappt, wenn an der Schnitt- oder Ansatzstelle eine kleine Rosette oder ein Trieb erscheint. Das dauert länger als bei Kopfstecklingen und zieht sich oft über Monate.

Ein bewurzeltes Blatt allein ist noch kein Ergebnis. Wurzeln ohne neuen Trieb bleiben manchmal lange stehen. Bei panaschierten Bogenhanf-Sorten kommt dazu, dass die neuen Triebe aus Blattstücken meist einfarbig grün austreiben und der gelbe Rand verloren geht.

Mr. Kitty steckt ein Blatt in feuchtes Substrat
Die Schnittfläche des Blattes hat Kontakt zum feuchten Substrat

Teilung beim Umtopfen

Pflanzen, die mit mehreren Trieben aus der Erde kommen, teilst du beim Umtopfen. Das gilt für Einblatt, Grünlilie, Korbmarante, Zierspargel und Glücksfeder.

Nimm die Pflanze aus dem Topf und schüttle so viel Erde ab, bis du erkennst, wo die Triebbündel zusammenhängen. Zieh sie mit den Händen auseinander. Nur was sich so nicht löst, schneidest du mit einer sauberen Klinge durch.

Jedes Teilstück braucht eigene Wurzeln und mindestens zwei bis drei Triebe. Kleinere Stücke wachsen zwar an, brauchen aber lange, bis sie wieder wie eine Pflanze aussehen.

Topfe jedes Teil in ein Gefäß, das zu seinem Wurzelballen passt, und gieße einmal durch.

Es hat geklappt, wenn nach einigen Wochen neuer Austrieb aus der Mitte kommt. Hängende Blätter direkt nach dem Teilen sind normal, solange sie sich wieder aufrichten.

Ein Wurzelballen wird in zwei Teile geteilt
Jedes Teilstück behält eigene Wurzeln und eigene Blätter

Aussaat

Aus Samen zu ziehen dauert am längsten. Dafür entstehen dabei eigenständige Pflanzen und keine Kopien der Mutterpflanze.

Streue die Samen auf nährstoffarme Anzuchterde und bedecke sie etwa so hoch, wie das Korn dick ist. Lichtkeimer bleiben unbedeckt, und ob eine Art dazugehört, steht auf der Samentüte.

Halte das Substrat gleichmäßig nass, ohne dass Wasser darin steht, und stell die Schale warm und hell auf.

Es hat geklappt, wenn die ersten Keimblätter erscheinen. Nimm die Abdeckung dann ab, sonst wachsen die Sämlinge lang und dünn zum Licht hin.

Palmen, Kakteen und viele holzige Zimmerpflanzen keimen ungleichmäßig und über Wochen verteilt. Eine leere Schale nach zehn Tagen sagt bei diesen Arten noch nichts.

Passende Pflanzen

Weiterlesen

Häufige Fragen

Wie vermehre ich eine Grünlilie über Ableger?

Lass den Ableger an der Ranke hängen, bis er kräftige eigene Wurzelansätze hat, und trenne ihn dann direkt in Erde. Du kannst ihn auch anwurzeln lassen, solange er noch mit der Mutterpflanze verbunden ist, indem du einen kleinen Topf mit Erde daneben stellst und den Ableger hineinsetzt.

Wie vermehrt man Aloe vera?

Über die Kindel, die seitlich an der Basis erscheinen. Nimm die Mutterpflanze aus dem Topf, trenne ein Kindel mit eigenen Wurzeln ab und lass die Trennstelle einen Tag abtrocknen. Danach kommt es in mineralisches Substrat und bekommt erst nach einigen Tagen das erste Wasser.

Wie vermehrt man einen Drachenbaum?

Schneide den Kopf mit einigen Blättern ab und bewurzle ihn in Wasser oder Substrat. Der verbliebene Stamm treibt unterhalb der Schnittstelle wieder aus. Auch die kahlen Stammstücke dazwischen lassen sich in Abschnitten bewurzeln, wenn du sie richtig herum einsetzt.

Kann man Orchideen selbst vermehren?

Bei der Schmetterlingsorchidee nur über ein Kindel, das gelegentlich am alten Blütentrieb entsteht. Trenne es ab, sobald es eigene Blätter und zwei bis drei Wurzeln von einigen Zentimetern hat. Aus Samen gezogen werden Orchideen unter sterilen Laborbedingungen, zu Hause geht das nicht.

Wie lange dauert es, bis ein Steckling Wurzeln bildet?

Bei weichen Trieben wie Efeutute oder Zebrakraut meist ein bis drei Wochen, bei holzigen Trieben und Blattstecklingen deutlich länger. Wärme und Licht beschleunigen den Vorgang, kühle Räume im Winter bremsen ihn stark.

Wann ist die beste Zeit zum Vermehren?

Im aktiven Wachstum von Frühjahr bis Spätsommer, weil die Pflanze dann am schnellsten neue Wurzeln bildet. Im Winter gelingt es ebenfalls, dauert aber länger und geht öfter schief, weil der Steckling lange ohne Wurzeln dasteht.

Zuletzt geprüft: 2026-09-12