Zimmerpflanzen fürs Nordfenster

Ein Nordfenster liefert weiches Licht ohne Sonne. Entscheidend ist der Abstand zur Scheibe: nah am Glas gelingt viel, zwei Meter im Raum wenig.

Der Nachteil kommt im Winter. Zwischen November und Februar sinkt die Lichtmenge an der Nordseite so weit, dass nur robuste Arten in einem gewissen Abstand zur Scheibe noch zurechtkommen.

Was ein Nordfenster wirklich bietet

Am Nordfenster fällt Licht vom Himmel ein, aber nie die Sonne selbst. Das ist genau die Lichtart, die in Pflegeanleitungen als hell und indirekt beschrieben wird, und sie kommt hier ohne Vorhang und ohne Sonnenschutz zustande.

Für tropische Blattpflanzen ist das nah an ihren Bedingungen unter dem Kronendach. Sie bekommen genug Licht zum Wachsen und keine Strahlung, die Blätter verbrennt.

Die Menge bleibt trotzdem begrenzt. Was am Südfenster in einem Meter Abstand steht, braucht am Nordfenster den Platz direkt an der Scheibe.

Der Abstand zur Scheibe zählt mehr als die Himmelsrichtung

Direkt am Glas ist es an jedem Fenster am hellsten, und der Abfall nach hinten geht schnell. Eine Pflanze zwei Meter im Raum bekommt einen Bruchteil dessen, was auf der Fensterbank ankommt, auch wenn das Zimmer für dein Auge gleichmäßig hell wirkt.

Am Nordfenster hast du diesen Spielraum nicht. Stell die Pflanzen deshalb so nah an die Scheibe, wie es Zug und Kälte erlauben, und lass die Fläche vor dem Fenster frei.

Alles, was den Ausschnitt verkleinert, kostet Licht: eine Gardine, ein Rollo auf halber Höhe, ein Baum vor dem Haus, ein Balkon darüber, eine Wand gegenüber. Ein Nordfenster im vierten Stock über den Dächern liefert deutlich mehr als ein Erdgeschossfenster im Hinterhof.

Putz die Scheibe zum Winter hin und wisch den Staub von den Blättern. Beides bringt bei knappem Licht mehr, als es klingt.

Mr. Kitty rückt eine blasse Pflanze näher ans Fenster
Am Nordfenster steht die Pflanze direkt an der Scheibe

Pflanzen, die am Nordfenster gut stehen

Die Schusterpalme ist die zuverlässigste Wahl. Sie hält dunkle Ecken und kühle Zimmer aus und braucht nur selten Wasser.

Die Glücksfeder speichert Wasser in ihren dicken Blattstielen und verzeiht eine vergessene Gießrunde, was am dunklen Platz ohnehin die häufigere Situation ist.

Das Einblatt blüht auch ohne direkte Sonne und zeigt Wassermangel früh und deutlich, indem es die Blätter absenkt.

Die Efeutute wächst am Nordfenster langsamer als am hellen Platz, treibt aber stetig weiter und lässt sich beliebig einkürzen.

Der Kolbenfaden kommt mit wenig Licht zurecht, und die dunkelgrünen Sorten vertragen es besser als die stark gemusterten.

Der Schwertfarn nimmt das gleichmäßige Licht und die höhere Luftfeuchte an, sofern die Erde nicht austrocknet.

Die Bergpalme bleibt klein, wächst langsam und steht am Nordfenster stabiler als jede andere Zimmerpalme.

Die Korbmarante hat an der Nordseite ihren besten Platz, weil direkte Sonne ihre Musterung ausbleicht.

Der Kletter-Philodendron rankt an einer Stütze auch bei mäßigem Licht weiter und bleibt dabei ansehnlich.

Der Bogenhanf verträgt wenig Licht und hält am Nordfenster problemlos durch. Er wächst dort nur sehr langsam, was in einer kleinen Wohnung ein Vorteil sein kann.

Was am Nordfenster nicht funktioniert

Kakteen und die meisten Sukkulenten brauchen direkte Sonne. An der Nordseite vergeilen sie, das heißt, sie treiben dünne, blasse Triebe zum Licht und verlieren ihre kompakte Form. Rückgängig machen lässt sich das nicht.

Blühende Pflanzen setzen ohne genug Licht keine Knospen an. Eine Amaryllis, ein Hibiskus oder ein Zitronenbaum bleiben am Nordfenster grün und blühen nicht mehr.

Stark panaschierte Sorten mit weißen oder gelben Blattanteilen verlieren die Zeichnung. Die hellen Flächen enthalten kein Blattgrün, und bei knappem Licht baut die Pflanze wieder rein grüne Blätter.

Kräuter für die Küche gehören ebenfalls nicht dorthin. Basilikum, Rosmarin und Thymian brauchen Sonne und werden am Nordfenster lang und weich.

Gießen und düngen an der Nordseite

Bei wenig Licht wächst eine Pflanze langsamer und verbraucht weniger Wasser. Die Erde bleibt dadurch länger nass, und genau daran gehen Pflanzen am Nordfenster am häufigsten ein.

Gieß deshalb nach Topfgewicht und Fingerprobe und nicht nach einem Rhythmus, den du vom hellen Fenster übernommen hast. Zwei Fingerbreit tief trocken ist die Schwelle, bei der du wieder wässerst. Der Schwertfarn ist die Ausnahme: Ihn gießt du, sobald die Oberfläche trocken ist.

Leer den Untersetzer und den Übertopf nach dem Gießen. Stehendes Wasser ist am dunklen Platz noch weniger verzeihlich, weil die Erde von selbst kaum abtrocknet.

Dünge sparsamer als am hellen Fenster. Eine Pflanze, die wenig wächst, nimmt wenig auf, und der Rest bleibt als Salz in der Erde.

Ein Finger prüft die Erde eines Topfs zwei bis drei Zentimeter tief
An der Nordseite bleibt die Erde länger feucht, also vorher prüfen

Der Winter am Nordfenster

Zwischen November und Februar ist die Nordseite der dunkelste Platz der Wohnung. Rück die Pflanzen in dieser Zeit so weit wie möglich an die Scheibe und nimm Gardinen zur Seite.

Achte dabei auf die Kälte am Glas. Blätter, die nachts direkt an einer alten Scheibe anliegen, bekommen braune Flecken, und die Erde kühlt auf einer kalten Fensterbank stärker aus als im Raum.

Gieß im Winter deutlich sparsamer und stell das Düngen ein, bis der Neutrieb im Frühjahr kommt.

Erwarte in dieser Zeit kein Wachstum. Eine Pflanze, die von November bis Februar nur ihre Blätter hält, hat den Winter gut überstanden.

Wenn das Licht nicht reicht

Lichtmangel hat ein eigenes Bild. Die neuen Blätter kommen kleiner und heller als die alten, die Abstände zwischen den Blättern werden länger, die Triebe biegen sich zum Fenster und die unteren Blätter fallen ab.

Rück die Pflanze dann erst näher ans Fenster, bevor du an etwas anderes denkst. Ein Meter Unterschied ändert mehr als jede Änderung an Wasser oder Dünger.

Bleibt der Platz zu dunkel, hilft eine Pflanzenlampe über der Pflanze, die im Winter einige Stunden am Tag zusätzlich läuft. Eine normale Zimmerleuchte in der Zimmerdecke ersetzt kein Fenster.

Wenn beides nicht geht, wechsle die Art statt die Pflege. Eine Schusterpalme an der Stelle, an der eine Geigenfeige aufgegeben hat, ist die einfachere Lösung.

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Häufige Fragen

Welche Zimmerpflanzen wachsen am Nordfenster?

Schusterpalme, Glücksfeder, Einblatt, Efeutute, Kolbenfaden, Schwertfarn, Bergpalme, Korbmarante und Kletter-Philodendron kommen dort zurecht. Sie stammen aus Lagen mit gleichmäßigem, gedämpftem Licht und brauchen keine direkte Sonne.

Ist ein Nordfenster zu dunkel für Pflanzen?

Für viele Blattpflanzen nicht, solange sie nah an der Scheibe stehen. Zu dunkel wird es für Kakteen, Sukkulenten, blühende Arten und stark panaschierte Sorten sowie für jeden Platz weit im Raum.

Welche Pflanzen eignen sich für die Nordseite der Wohnung?

Dieselben wie fürs Nordfenster, mit einem Zusatz: an der Nordseite zählt der Abstand zum Fenster doppelt. Stell die anspruchsvolleren Arten auf die Fensterbank und nur die genügsamsten weiter in den Raum.

Wie oft muss ich am Nordfenster gießen?

Seltener als am hellen Fenster, aber nach demselben Maßstab. Prüfe Topfgewicht und Erde zwei Fingerbreit tief und gieß erst, wenn sie dort trocken ist. Ein fester Rhythmus führt an dunklen Plätzen am schnellsten zu nasser Erde.

Woran erkenne ich, dass eine Pflanze zu wenig Licht bekommt?

Neue Blätter kommen kleiner und heller, die Abstände zwischen den Blättern werden länger, die Triebe wachsen zum Fenster und unten fallen Blätter ab. Rück die Pflanze näher ans Fenster, bevor du etwas anderes änderst.

Hilft eine Pflanzenlampe am Nordfenster?

Ja, vor allem von November bis Februar. Häng sie über die Pflanze und lass sie tagsüber einige Stunden zusätzlich laufen. Eine gewöhnliche Zimmerleuchte an der Decke liefert dafür zu wenig.

Zuletzt geprüft: 2026-09-07